Website mit KI erstellen: das Bauen war nie das Problem

Alle Beiträge
Eine Website mit KI erstellen dauert heute Minuten. Das ist beeindruckend. Es ist nur nicht dasselbe wie eine Website, die für Ihr Unternehmen arbeitet.

Wer heute eine Website mit KI erstellen möchte, bekommt in wenigen Minuten ein vollständiges Ergebnis: Struktur, Texte, Bilder, Farben. Vor drei Jahren wäre das noch unvorstellbar gewesen. Und trotzdem lande ich in Gesprächen mit Tiroler Unternehmen und Praxen immer wieder bei derselben Frage: Reicht das? Die ehrliche Antwort lautet: manchmal ja, oft nicht. Und der Unterschied liegt selten in der Technik.

Was KI heute wirklich gut kann

Fangen wir mit dem Lob an, denn es ist verdient. KI nimmt einem den mühsamen Teil ab: eine erste Seitenstruktur vorschlagen, Textentwürfe schreiben, Übersetzungen anlegen, Alternativtexte für Bilder formulieren, Code-Bausteine erzeugen. Aufgaben, die früher Stunden gekostet haben, dauern heute Minuten.

Ich nutze KI in meinen Projekten selbst, täglich. Sie ist ein ausgezeichnetes Werkzeug für alles, was Fleißarbeit ist. Wie das konkret aussieht, habe ich in KI in der Webentwicklung beschrieben. Werkzeug ist dabei das entscheidende Wort: Ein Werkzeug entscheidet nicht, es führt aus.

Warum KI-Entwürfe alle gleich aussehen

Statt das zu behaupten, habe ich es ausprobiert. Drei Anfragen an dasselbe Modell, jede in einem eigenen Chat, ohne dass das Modell von den anderen weiß. Jedes Mal dieselbe Aufgabe: eine komplette Kontaktseite, nur die Branche wechselt. Einmal für eine Fotografin, einmal für ein Hotel, einmal für einen Kosmetikladen. Das Ergebnis sehen Sie hier.

Fotografin
Hotel
Kosmetik
Drei Kontaktseiten für eine Fotografin, ein Hotel und einen Kosmetikladen. Alle vom selben Modell (Claude Opus 5), jede in einem eigenen, unabhängigen Chat erzeugt. Klicken Sie auf ein Bild, um die ganze Seite und den zugehörigen Prompt zu sehen.

Auf den ersten Blick ist die Arbeit gut. Die Farben passen zur Branche, die Schriften sitzen, nichts wirkt billig. Wer vor drei Jahren so etwas in Minuten bekommen hätte, hätte es nicht geglaubt. Und trotzdem: Schauen Sie nicht auf die Farbe, schauen Sie auf den Aufbau.

Alle drei Seiten tragen dasselbe Skelett. Oben die Navigation mit Logo links und Anfrage-Button rechts. Dann eine Serifen-Überschrift, deren zweite Zeile farbig abgesetzt ist. Darunter zweispaltig das Formular links und Infokarten rechts. Ganz unten erst ein FAQ-Bereich zum Aufklappen, dann ein dunkler Footer mit vier Spalten. Dieselbe Reihenfolge, dieselben Proportionen, dieselben Bausteine. Nur der Anstrich wechselt.

Das ist kein Zufall und auch kein Versagen des Modells. Eine KI berechnet, was wahrscheinlich passt, und das Wahrscheinlichste ist der Durchschnitt aus Millionen bestehender Seiten. Sie bekommen also zuverlässig den Mittelwert des Web, sauber ausgeführt.

Für Ihre Gestaltung ist das ein doppeltes Problem. Erstens trägt Ihre Seite dieselbe Struktur wie die des Mitbewerbers zwei Straßen weiter, der denselben Dienst benutzt hat. Genau das, wofür Sie eine Website haben, nämlich sichtbar anders zu sein, fällt weg. Zweitens braucht es Erfahrung, um etwas anderes herauszuholen. Wer der KI eine eigenständige Gestaltung abringen will, muss wissen, wie Typografie, Raster, Kontrast und Rhythmus funktionieren, und muss benennen können, was am Vorschlag nicht stimmt. Wer das kann, ist Designer. Das Werkzeug ersetzt das Urteil nicht, es verlangt es.

Wo KI-Websites heute an ihre Grenzen stoßen

Gestaltung ist nur der sichtbare Teil. Die Grenzen, die im Alltag wirklich wehtun, liegen tiefer:

  • Technischer Ballast. Generierte Seiten schleppen oft unnötigen Code mit, der die Ladezeit verschlechtert. Wie stark das über Besucher entscheidet, zeigt der Beitrag Ladezeit & Core Web Vitals.
  • Technisches SEO. Saubere URL-Struktur, strukturierte Daten, eine durchdachte Seitenarchitektur und Texte mit echter fachlicher Tiefe. Generische Inhalte ranken schlecht, weil sie nichts Neues sagen.
  • Barrierefreiheit. Viele Vorlagen erfüllen die Anforderungen nur teilweise: Kontraste, Fokusreihenfolge, sinnvolle Beschriftungen. Seit Juni 2025 gilt in Österreich das Barrierefreiheitsgesetz, das bestimmte digitale Dienste verpflichtet, etwa Online-Shops für Verbraucher oder Online-Buchungen. Mehr dazu in Barrierefreiheit im Web.
  • Schnittstellen. Sobald eine Anbindung an Praxissoftware, ein Warenwirtschaftssystem oder ein Buchungssystem dazukommt, endet der Komfort schnell.
  • Rechtliches. Für KI-generierte Bilder und Texte trägt die Verantwortung, wer sie veröffentlicht, nicht das Werkzeug. Reine KI-Ergebnisse genießen nach derzeitiger Einschätzung keinen eigenen Urheberrechtsschutz, und mit dem EU-Regelwerk zu künstlicher Intelligenz kommen Kennzeichnungspflichten dazu. Wer das nicht prüft, hat ein Risiko in der Seite stehen.
  • Plattformbindung. Inhalte liegen bei einem Anbieter, oft auf Servern außerhalb der EU. Ein späterer Umzug ist mühsam.

Keiner dieser Punkte ist unlösbar. Aber jeder verlangt, dass jemand hinsieht, es bemerkt und bewusst behebt. Genau das tut ein Generator nicht, weil er keinen Begriff davon hat, dass etwas fehlt.

Baukästen haben Webdesigner nicht ersetzt. KI wird es auch nicht.

Diese Diskussion ist nicht neu. Website-Baukästen gibt es seit rund zwanzig Jahren, und schon 2016 kam der erste Assistent, der auf Knopfdruck eine komplette Seite zusammenstellte. Jedes Mal hieß es, Webdesigner würden bald nicht mehr gebraucht. Passiert ist etwas anderes: Der Markt wurde größer, und das Niveau, ab dem eine Website als professionell gilt, ist gestiegen.

Der Grund ist einfach. Der Engpass war nie das Bauen. Wer eine Website braucht, die Kunden gewinnt, scheitert nicht am Werkzeug, sondern an den Fragen davor: Wen will ich erreichen? Was muss dieser Mensch in den ersten fünf Sekunden verstehen? Was lasse ich bewusst weg? Diese Fragen beantwortet kein Werkzeug, weil es Ihr Geschäft nicht kennt und weil es Ihnen nie widerspricht.

Die Rolle verschiebt sich: vom Umsetzer zum Berater

Was sich tatsächlich verändert, ist mein Beruf. Der Anteil reiner Umsetzung schrumpft, der Anteil an Beratung wächst. Struktur und Inhalte gemeinsam schärfen, Prioritäten setzen, unangenehme Fragen stellen, Technikentscheidungen treffen, die in fünf Jahren noch tragen, und danach zuständig bleiben, wenn etwas nicht funktioniert.

Und es gibt einen Punkt, der in der ganzen Debatte gern übergangen wird: Nicht jeder hat Lust, sich mit dem Thema zu befassen. Auch ohne Programmierkenntnisse geht das seit Jahren, das war schon bei Baukästen so. Nur will eine Ärztin, die zehn Stunden am Tag Patienten behandelt, keine Abende mit Bildzuschnitten, Cookie-Bannern und Schriftgrößen verbringen. Das ist kein Kompetenzproblem, das ist eine Entscheidung darüber, wofür die eigene Zeit zu schade ist.

Die gleiche Abwägung stellt sich auch ohne KI. Der Vergleich TYPO3 vs. Website-Baukasten ordnet ein, wann eine Fertiglösung genügt und wann sie zum teuren Umweg wird.

Wann sich ein professioneller Webdesigner lohnt

Ich sage Ihnen offen, wenn Ihr Vorhaben klein genug ist. Für eine erste Visitenkarte im Netz, ein kurzlebiges Projekt oder eine Idee, die Sie erst testen wollen, ist eine KI-Lösung völlig legitim. Sie sind schnell online und verbrennen kein Budget.

Ein Profi zahlt sich aus, sobald einer dieser Punkte zutrifft:

  • Die Website soll aktiv Anfragen bringen, nicht nur existieren.
  • Sie treten in einem Umfeld an, in dem Sie erkennbar anders aussehen müssen.
  • Es geht um Vertrauen und sensible Daten, etwa in einer Arztpraxis oder bei Gesundheitsthemen.
  • Rechtliche Anforderungen wie Datenschutz oder Barrierefreiheit spielen eine Rolle.
  • Schnittstellen zu bestehender Software oder mehrere Redakteure sind im Spiel.
  • Die Seite soll über Jahre mitwachsen, ohne zwischendurch neu gebaut zu werden.
  • Sie wollen einen Ansprechpartner, der zuständig bleibt, wenn etwas schiefgeht.

Mein Fazit nach vielen Projekten: KI hat den ersten Entwurf schnell gemacht und das Entscheiden dadurch wertvoller. Ich arbeite mit diesen Werkzeugen, sie nehmen mir Fleißarbeit ab. Aber die Fragen, an denen eine Website scheitert oder gelingt, beantworten immer noch Menschen. Wie ich dabei vorgehe, sehen Sie auf meiner Seite zu Webdesign in Tirol.

Kostenlos & unverbindlich

Reicht KI für Ihr Vorhaben?

Weitere Beiträge

Sprechen wir über Ihr Projekt

Kostenloses Erstgespräch
Kontakt