KI in der Webentwicklung ist längst kein Ausblick mehr, sondern Werkzeug im Alltag. Ich nutze sie täglich. Was in solchen Beiträgen aber selten steht, ist das Wesentliche: nicht ob jemand KI einsetzt, sondern wie streng er das Ergebnis prüft. Darum beschreibe ich hier meinen eigenen Umgang damit, offen und ohne Werbeversprechen.
Künstliche Intelligenz, kurz erklärt
Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet die Fähigkeit von Software, Aufgaben zu übernehmen, die bisher menschliches Urteilsvermögen erforderten: Texte formulieren, Bilder verstehen, Sprache verarbeiten. Im Gegensatz zu klassischer Software, die starren Regeln folgt, lernen KI-Modelle aus großen Datenmengen und erkennen darin Muster.
Für Websites sind vor allem sogenannte Sprachmodelle relevant. Sie erzeugen Texte, fassen Inhalte zusammen, übersetzen und beantworten Fragen. Ein Punkt ist dabei entscheidend: Ein Modell weiß keine Fakten, es berechnet Wahrscheinlichkeiten. Genau deshalb gehören die Ergebnisse immer geprüft. Wie streng, das ist die eigentliche Frage.
Zwei Geschwindigkeiten, ein klares Kriterium
Ich arbeite mit KI in zwei sehr unterschiedlichen Modi. Im ersten lasse ich sie laufen und sehe mir den Code gar nicht an. Im zweiten lese ich jede Zeile, bevor sie übernommen wird. Was darüber entscheidet, ist nicht die Schwierigkeit der Aufgabe, sondern die Lebensdauer des Ergebnisses.
Alles, was nur dazu dient, eine Idee sichtbar zu machen, darf schnell und schmutzig entstehen. Alles, was in Ihr Projekt wandert und dort Jahre überdauert, bekommt die volle Aufmerksamkeit. Diese Trennung ist der einzige Grund, warum ich KI ohne schlechtes Gewissen einsetzen kann.
Schnell und ungeprüft: Prototypen und Designvorschläge
Wenn ich eine Gestaltungsidee bewerten will, ist mir der Code darunter gleichgültig. Ich beschreibe, was ich sehen möchte, und lasse mir in Minuten drei oder vier Varianten bauen. Danach beurteile ich nur eines: Trägt die Idee? Funktioniert die Anordnung? Stimmt der Rhythmus zwischen den Abschnitten?
Das ist die eigentliche Stärke von KI in der Webentwicklung. Früher musste ich eine Idee erst aufwendig bauen, um zu merken, dass sie nicht trägt. Heute sehe ich das nach wenigen Minuten und verwerfe sie ohne Bedauern. Ich kann mehr ausprobieren, weil jeder Versuch fast nichts mehr kostet. Entscheidend ist nur, dass von diesen Entwürfen nichts unbesehen in ein echtes Projekt rutscht. Ein Prototyp beantwortet die Frage „sieht das gut aus", nicht die Frage „hält das".
Langsam und gründlich: alles, was bei Ihnen landet
Sobald es um Backend-Programmierung geht, um Kundenprojekte oder schlicht um wichtigen Code, kehrt sich das Verhältnis um. Dann ist die KI ein Kollege, der schnell einen Vorschlag auf den Tisch legt, und ich bin derjenige, der ihn liest, bevor er gilt. Zeile für Zeile, mit derselben Skepsis, die ich bei fremdem Code auch hätte.
Das hat handfeste Gründe:
- KI erfindet. Ein Modell rechnet, statt nachzuschlagen. Da werden schon einmal Funktionen aufgerufen, die es gar nicht gibt, oder Bibliotheken eingebunden, die nie existiert haben. Auf den ersten Blick sieht alles davon völlig überzeugend aus.
- Sicherheit ist nicht mitgedacht. In breit angelegten Untersuchungen zu KI-generiertem Code enthält rund die Hälfte der Ergebnisse bei sicherheitsrelevanten Aufgaben eine bekannte Schwachstelle. Ein Modell schreibt Code, der funktioniert. Ob er auch sicher ist, ist eine andere Frage.
- Wartbarkeit fällt hinten runter. KI neigt dazu, Dinge zu wiederholen statt sie sauber zusammenzufassen. Das merkt niemand am ersten Tag, sondern in zwei Jahren, wenn eine kleine Änderung plötzlich an fünf Stellen nachgezogen werden muss.
- Verantwortung bleibt. Wenn auf Ihrer Website etwas nicht funktioniert, ist das mein Problem, nicht das eines Sprachmodells. Also muss ich verstehen, was da steht.
Deshalb gilt bei mir: Ich übernehme keinen Code, den ich nicht selbst erklären könnte. Das bremst mich an manchen Stellen aus. Es ist aber der Unterschied zwischen einer Website, die am Tag der Übergabe funktioniert, und einer, die auch in fünf Jahren noch wartbar ist.
Was KI im TYPO3-Backend für Sie übernimmt
Neben meiner Arbeit gibt es eine zweite Ebene, die Sie direkt betrifft: KI im Redaktionsalltag. Für TYPO3 gibt es Erweiterungen, die Textvorschläge direkt im Backend liefern, Alternativtexte für Bilder erzeugen, Meta-Beschreibungen formulieren oder Inhalte in andere Sprachversionen übersetzen. Ihre Redakteure müssen dafür das System nicht verlassen.
Weil TYPO3 Inhalte sauber strukturiert speichert, lassen sich solche Helfer gezielt und kontrolliert einbinden. Das Prinzip bleibt dasselbe wie bei mir: Die KI macht einen Vorschlag, die Freigabe trifft ein Mensch. Warum ich für anspruchsvolle Projekte zu TYPO3 rate, steht im Vergleich WordPress vs. TYPO3.
Wo ich KI bewusst nicht einsetze
Genauso wichtig wie der Einsatz ist der Verzicht. Es gibt Bereiche, in denen ich gar nicht erst anfange:
- Fachliche Aussagen. Medizinische oder rechtliche Inhalte lasse ich nicht von einer KI formulieren. Solche Texte kommen von Ihnen oder von Ihrer Fachperson.
- Kundendaten. Patientendaten, interne Unterlagen oder Zugangsdaten gehen nicht in einen KI-Dienst. Welche Informationen ein Werkzeug zu sehen bekommt, ist eine bewusste Entscheidung, keine Nebensache.
- Architekturentscheidungen. Welches System, welche Struktur, welcher Hoster. Das sind Weichenstellungen für Jahre, und sie gehören besprochen, nicht generiert.
- Die Gestaltung im fertigen Projekt. Vorschläge ja, Endergebnis nein. Warum das so ist, habe ich ausführlich aufgeschrieben.
Wenn KI so viel übernehmen kann: Warum dann noch ein Webdesigner? Der Beitrag Website mit KI erstellen beantwortet genau diese Frage, und er ist unbequemer, als Sie vielleicht erwarten.
Was das für Ihr Projekt bedeutet
Unterm Strich verschiebt KI die Zeit dorthin, wo sie etwas bringt. Ich komme schneller zu Entwürfen, probiere mehr Varianten aus und verliere weniger Stunden an Fleißarbeit. Was sich nicht verschiebt, ist die Sorgfalt an den Stellen, an denen Ihre Website später hängt.
Wenn Sie mich fragen, ob ich KI in Ihrem Projekt einsetze, lautet die Antwort also ja. Und wenn Sie fragen, ob ungeprüfter Maschinencode auf Ihrem Server landet, lautet sie ebenso klar nein. Wie ich insgesamt arbeite und welche Technik dahintersteckt, sehen Sie unter Kompetenzen.